Neue "Hutnorm"

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Frawa
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Neue "Hutnorm"

Beitrag von Frawa »

Übernahme aus dem "TOURENFAHRER"

Neue Helm-Norm ECE 22.06
23.03.2020
Nach knapp 20 Jahren erfährt die Sicherheitsnorm für Motorradhelme eine Überarbeitung. Die neue Regelung ECE 22.06, die die Anforderungen an den Kopfschutz verschärft, soll im Juni dieses Jahres verabschiedet werden, es gibt aber eine Übergangsfrist bis Mitte 2023.

Der Helm dürfte unbestritten der wichtigste Teil jeder Motorradschutzausrüstung sein. Dieser Bedeutung entsprechend kümmert sich die Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa (UN ECE) um ein einheitliches Regelwerk, das die Anforderungen an Motorradhelme festlegt: Die jedem Motorradfahrer bekannte ECE-Norm.

Die aktuelle gültige fünfte Revision dieser Norm, die ECE 22.05, ist mittlerweile bald 20 Jahre alt, und wurde in einigen Punkten überarbeitet.

Zusätzliche Tests
Was die unmittelbare Schutzwirkung betrifft, werden mit der ECE 22.06 zwei neue Testmethoden eingeführt. Bei der Hochgeschwindigkeits-Partikelprüfung für Visiere wird ermittelt, ob das Visier dem Aufprall schneller Teile standhält, beispielsweise aufgewirbelten Steinen. Hierzu wird das Visier mit einer 60 Meter in der Sekunde schnell fliegenden Stahlkugel beschossen. Weder darf das Visier brechen oder sich verformen, noch darf sich der Haltemechanismus des Visiers durch den Einschlag zerlegen.

Der zweite neue Test betrifft die Schutzwirkung bei rotierendem Aufprall. In einem Versuchsaufbau, in dem der Helm aus definierten Winkeln und mit einer bestimmten Geschwindigkeit auf einen starr montierten Amboss fällt, wird die Drehbeschleunigung, die potenziell zu Schädigungen des Gehirns führen kann, gemessen.

Neue Regelungen im Detail
Modularhelme und Jethelme werden nach der Norm ECE 22.06 künftig mit und ohne montierten Kinnschutz bzw. mit offenem und geschlossenem Kinnteil geprüft werden.

Bei Helmen, die mit einer integrierten Sonnenblende ausgeliefert werden, findet nach der neuen Norm eine aufwendigere Prüfung statt. Zunächst muss sichergestellt sein, dass die Sonnenblende unabhängig vom Visier bewegt werden kann, sie darf die Betätigung des Visiers auch nicht beeinträchtigen. Zudem müssen Helme mit Sonnenblende nun ihr Testprozedere mit heruntergeklappter Blende absolvieren, um negative Auswirkungen des Bauteils auf die Gesundheit des Fahrers bei einem Crash auszuschließen.

Nationale Anforderungen können künftig Teil der Zulassung sein. So müssen beispielsweise Helme, die in Frankreich auf den Markt gebracht werden, mit den vorgeschriebenen Reflexaufklebern versehen sein, zumindest aber müssen die entsprechenden Folien samt Anbauanleitung dem Helm beiliegen.

Hohe Anforderungen an Zubehör
Bei Helmen, die mit Originalzubehör in den Handel gebracht werden, muss gemäß ECE 22.06 sichergestellt sein, dass dieses Zubehör die Schutzwirkung nicht beeinträchtigt. Dementsprechend werden zusätzliche Tests mit montiertem Zubehör durchgeführt. Besonderes Augenmerk gilt dabei Auswirkungen auf die Energieabsorption, möglichen scharfen Kanten sowie Einschränkungen des Sichtfeldes. Zulässig ist der Helm dann nur mit dem getesteten Zubehör, möchte der Hersteller zusätzliche Komponenten anbieten, ist eine erneute Prüfung erforderlich. Welche Regeln künftig für Fremdzubehör gelten, war bis dato nicht zu erfahren.

Übergangsfrist bis 2023
Nach aktuellem Stand soll die neue Norm ECE 22.06 im Juni dieses Jahres verabschiedet werden. Die Hersteller haben dann drei Jahre lang Zeit, ihre Helme an die neuen Anforderungen anzupassen. Bis dahin bleiben alle nach der Norm ECE 22.05 geprüften Helme legal und dürfen verkauft werden.

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Scholle
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Re: Neue "Hutnorm"

Beitrag von Scholle »

Hallo Frawa, interessante Neuigkeit. Heißt dann m. E. aber wohl auch, dass man sich Mitte 2023, sofern dies beschlossen wird, einen neuen Helm zulegen muss, welcher der neuen Norm entspricht.

Gruß Scholle
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meine dicke
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Re: Neue "Hutnorm"

Beitrag von meine dicke »

Neeeeeeeeeee,

erstmal heißt das, dass Hersteller ab Gültigkeit der neuen Norm keine Alten mehr produzieren und verkaufen dürfen.
Oder sie lassen den alten Helm nochmals nach der neuen Norm .06 prüfen, falls das machbar ist.

Aber es wird dann sicher ein weiteres Datum geben an dem die alte Norm .05 nicht mehr genügt.

Grüssle ausm Badischen
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Re: Neue "Hutnorm"

Beitrag von Yeti »

Frawa hat geschrieben:
Mo 23. Mär 2020, 13:20
Übernahme aus dem "TOURENFAHRER"
Der zweite neue Test betrifft die Schutzwirkung bei rotierendem Aufprall. In einem Versuchsaufbau, in dem der Helm aus definierten Winkeln und mit einer bestimmten Geschwindigkeit auf einen starr montierten Amboss fällt, wird die Drehbeschleunigung, die potenziell zu Schädigungen des Gehirns führen kann, gemessen.
Eine hohe Beschleunigung des Gehirns führt m.W. dazu, daß Nervenbahnen zerstört werden. Ein Arzt erklärte mir das mal so, daß das Gehirn wie von einem Netz umgeben sei. Die Nervenbahnen verliefen durch die "Löcher" im Netz und würden bei hoher Beschleunigung quasi abgeschert. Und wenn der Helm diesen Test besteht, dann bricht sich der Fahrer nur noch das Genick, oder ? So recht kann ich mir diesen Test bzw. dessen Nutzen nicht vorstellen.

Yeti.
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Moldi
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Re: Neue "Hutnorm"

Beitrag von Moldi »

Moin,

keiner wird sich deswegen einen neuen Helm kaufen müssen.
Dass solche Prüfungen sinnvoll sind steht wohl außer Frage, jedoch rechtlich keinesfalls bindend.

Zitat aus dem Bußgeldkatalog:
"Laut Gesetz kommen Fahrer ihrer Helmpflicht auf dem Motorrad nach, wenn sie einen geeigneten Helm tragen.
Eine ECE-Zulassung muss dafür nicht vorliegen."
Gruß Lars


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Christoph
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Re: Neue "Hutnorm"

Beitrag von Christoph »

Yeti hat geschrieben:
Mo 23. Mär 2020, 18:11
Frawa hat geschrieben:
Mo 23. Mär 2020, 13:20
Der zweite neue Test betrifft die Schutzwirkung bei rotierendem Aufprall...
...Und wenn der Helm diesen Test besteht, dann bricht sich der Fahrer nur noch das Genick, oder ? So recht kann ich mir diesen Test bzw. dessen Nutzen nicht vorstellen...
Irgendwo bei Arai habe ich mal gelesen, dass sie dem Helm absichtlich eine möglichst runde Form geben, damit sich der Helm z.B. beim Rutschen über den Boden NICHT mit dem Untergrund verhakt und den Kopf dreht, sondern möglichst widerstandsarm über den Untergrund schlittert. Ich meine, in irgendeinem Review-Video wurde gesagt, dass Arai die Anbauteile (Belüftungshebel etc) extra "leicht" bzw. wackelig baue, damit sie in dem Fall sofort absplittern statt sich mit dem Boden zu verhaken. Die konkreten Links finde ich auf die Schnelle nicht - aber vielleicht könnte das mit diesem Test geprüft werden.

Viele Grüße
Christoph
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Re: Neue "Hutnorm"

Beitrag von Tequila »

Christoph hat geschrieben:
Mo 23. Mär 2020, 18:52
Irgendwo bei Arai habe ich mal gelesen, dass sie dem Helm absichtlich eine möglichst runde Form geben, damit sich der Helm z.B. beim Rutschen über den Boden NICHT mit dem Untergrund verhakt und den Kopf dreht, sondern möglichst widerstandsarm über den Untergrund schlittert. Ich meine, in irgendeinem Review-Video wurde gesagt, dass Arai die Anbauteile (Belüftungshebel etc) extra "leicht" bzw. wackelig baue, damit sie in dem Fall sofort absplittern statt sich mit dem Boden zu verhaken.

Christoph, ich kann beide Aussagen absolut bestätigen - der Arai RX 7 GP ist so rund, dass man auch bei 200 km/h im Wind den Kopf drehen kann ohne dass man eine drehende Krafteineinwirkung bemerkt. Mein Kumpel hat auf der Rennstrecke einen bösen Abflug gemacht und an seinem Arai ist alles, was an Windkanälen absteht, sofort abgerissen. ( der Helm ist danach sowieso im Eimer ). Lediglich das Visier ist im Helm "eingelassen" und bombenfest.
Arai kugelrund
Arai kugelrund
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Arai Anbauteile
Arai Anbauteile
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Viele Grüße
Heinz

* hoffentlich werd` ich nie erwachsen *

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Re: Neue "Hutnorm"

Beitrag von FatmaN »

Ich denke es wird auf sowas wie bei den Fahrradhelmen schon verbreiteteren MIPS hinauslaufen.

Also eine Schicht zwischen Helm und Kopf, die dafür sorgt, dass sich die Drehbewegung des Helmes nicht 1 zu 1 auf den Kopf überträgt.

Also nichts mit mehr gebrochene Hälse ;)

Yeti
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Re: Neue "Hutnorm"

Beitrag von Yeti »

Christoph hat geschrieben:
Mo 23. Mär 2020, 18:52
1. ...dass sie dem Helm absichtlich eine möglichst runde Form geben, damit sich der Helm z.B. beim Rutschen über den Boden NICHT mit dem Untergrund verhakt und den Kopf dreht, sondern möglichst widerstandsarm über den Untergrund schlittert.
2. Ich meine, in irgendeinem Review-Video wurde gesagt, dass Arai die Anbauteile (Belüftungshebel etc) extra "leicht" bzw. wackelig baue, damit sie in dem Fall sofort absplittern statt sich mit dem Boden zu verhaken.
Zu 1.: Die Rundheit ergibt sich wohl auch durch den zu schützenden "Gegenstand" ;) , so quasi "form follows function", und natürlich wegen der Aerodynamic.
Zu 2.: Davon ist auf alle Fälle auszugehen. Ich bin da immer ganz fasziniert, wie filigran solche Kunststoffteile samt ihrer Befestigung gemacht werden. Ich habe das außer am Schuberth C3 auch bei den ganzen Verkleidungsteilen meiner Tracer erlebt. Wenn man die sachgerecht anpackt sind sie leicht zu demontieren, wenn nicht, dann sind sie leider hinüber :o .

Grüße, Yeti.
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